THE PRESENCE
Es gibt bei jeder Weltmeisterschaft einen Moment, in dem der Fußball – ganz buchstäblich – innehält, um der Mode Platz zu machen. Er dauert nur wenige Minuten, doch diese Minuten genügen, um Schlagzeilen, Editorials und manchmal Trends hervorzubringen, die Jahre überdauern. Die Eröffnungs- und Abschlusszeremonien waren schon immer eine Bühne für große Namen, aber auch für mutige, unvergessliche und nicht selten historische Mode-Entscheidungen.
Die Wahrheit ist: Fußball und Mode haben mehr gemeinsam, als man denken könnte. Beide sprechen von Identität, Zugehörigkeit, Macht und Kultur. Und es sind genau die Zeremonien der Weltmeisterschaft, bei denen diese Schnittstelle für die ganze Welt sichtbar wird.
2006 – Claudia Schiffer und die Kraft der klassischen Eleganz
Claudia Schiffer sorgte bei der WM 2006 in Deutschland für einen der denkwürdigsten Mode-Auftritte in der Geschichte der Weltmeisterschaften. Sie betrat das Spielfeld in einem schwarzen Midikleid mit Spitzendetails – klassisch, makellos und vollkommen souverän. Schiffer ist das schönste Beispiel dafür, dass gut ausgeführte Zurückhaltung genauso unvergesslich sein kann wie Maximalismus: Manchmal genügt ein einziges, gut gewähltes Stück, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.
2010 – Shakira und der Roberto-Cavalli-Moment
Wenn 2010 einen Soundtrack hatte, dann war es Waka Waka – und wenn es einen Look hatte, dann diesen. Für die Abschlusszeremonie der WM in Johannesburg stand Shakira barfuß in einem maßgefertigten Roberto-Cavalli-Ensemble auf der Bühne: ein verziertes Crop Top in Gold und Rosa, kombiniert mit einem Fransenrock, geschichtet mit Blüten und Quasten in leuchtendem Fuchsia. Bunte Armreifen, an beiden Armen gestapelt, vollendeten den Look – jedes Detail eine Verlängerung der Performance selbst.
Es war Cavalli in Reinform: maximalistisch, instinktiv, kompromisslos sinnlich. Und es war Shakira in Reinform: wild, voller Freude und ganz sie selbst. Die Entscheidung, barfuß aufzutreten – ganz wie Bardot an den Stränden von Saint-Tropez – sagte alles: Hier stand eine Frau, die keinerlei Kunstgriffe brauchte, um eine Bühne zu beherrschen. Der Look wurde so ikonisch wie der Song, und beide bleiben untrennbar mit der Erinnerung an Südafrika 2010 verbunden.


2014, Brasilien – das Jahr von Gisele und brasilianischer Kühnheit
Die WM 2014 in Brasilien war eine der reichsten Editionen, was Zeremonien-Mode betrifft. Beim Finale im Maracanã trug Gisele Bündchen den Pokal auf das Spielfeld – in einem kurzen aquamarinfarbenen Kleid, bestickt mit Korallen- und Meeresmotiven, einem Stück von Louis Vuitton, das auch den maßgefertigten Koffer für den Transport der Trophäe fertigte. Die Wahl war eine Ansage: brasilianische Eleganz trifft Pariser Luxus.
Bei der Eröffnungszeremonie waren es Jennifer Lopez und Claudia Leitte, die sich Bühne und Rampenlicht teilten. J.Lo erschien in einem komplett bestickten smaragdgrünen Look mit Fransen und strategischen Cut-outs, signiert von Donatella Versace, während Claudia einen königsblauen, mit Kristallen übersäten Body trug, auf der Brust das gestickte Emblem der brasilianischen Nationalmannschaft – eine Hommage an die nationale Identität in der Sprache des Spektakels, entworfen von der Sängerin selbst.


2018, Russland – Louis Vuitton und Natalia Vodianova
Beim WM-Finale 2018 in Moskau wurde das russische Model Natalia Vodianova ausgewählt, den Pokal zu präsentieren – ein Moment von beachtlichem symbolischem Gewicht. Sie trug ein metallisch-goldenes Ensemble mit Stufenrock von Louis Vuitton, ein visuell markantes Stück, das den Glanz der Trophäe selbst widerspiegelte. Der Look war ein unbestreitbarer Erfolg: modern, kraftvoll und perfekt im Kontext. Louis Vuitton zeichnete einmal mehr sowohl für das Transport-Etui des Pokals als auch für den prägenden Modemoment des Events verantwortlich.
2022, Katar – Lali und die Emotion der Hymne
Die WM 2022 in Katar brachte einen besonders bewegenden Moment: Die argentinische Sängerin Lali Espósito sang die argentinische Nationalhymne in einer schwarzen Robe mit strukturierten Schultern und elegantem Ausschnitt – ein kraftvoller Kontrast zur emotionalen Intensität des Anlasses.
Was diese Looks gemeinsam haben
Blickt man auf all diese Momente zurück, wird eines klar: Die Mode-Entscheidungen bei WM-Zeremonien sind selten neutral. Jeder Look trägt eine Botschaft – über das Gastgeberland, über die Künstlerin oder über die Zeit, in der wir leben.
Verzierungen und Stickereien dominieren, weil die Bühne Stücke verlangt, die auf Distanz und vor der Kamera kommunizieren. Kulturelle Identität ist immer präsent – ob in Claudia Leittes Blau und Gelb, Shakiras Rot oder Natalias Gold. Die ausgewählten Frauen sind stets Modeikonen aus eigenem Recht, nicht bloß Celebrities, die von einem Stylisten angezogen wurden.
Fußball als Laufsteg
Falls je Zweifel bestanden, ob Fußball und Mode Hand in Hand gehen können – und sollten –, dann räumen diese Momente sie aus. Das Spielfeld kann tatsächlich ein Runway sein. Und die WM-Zeremonien sind mit jeder Edition eine der größten Modebühnen der Welt, verfolgt von Milliarden Menschen gleichzeitig.
Wenn die WM 2026 am 11. Juni in den Vereinigten Staaten, Mexiko und Kanada angepfiffen wird, schaut die Welt schon jetzt hin – nicht nur wegen der Tore, sondern wegen der Looks. Denn so viel haben Mode und Fußball gemeinsam: Beide wissen, wie man die Welt zum Stillstand bringt.
FAQ
Was trug Gisele Bündchen bei der WM 2014?
Was war Shakiras Outfit bei der Abschlusszeremonie der WM 2010?
Wer entwarf Jennifer Lopez' Look bei der WM-Eröffnung 2014?
Was trug Natalia Vodianova bei der WM 2018?
Können Fußball und Mode zusammenpassen?
"Presence is not about wearing clothes that fit. It is about wearing clothes you have built a relationship with."
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